Freiraum für Frauen 2025
Die Stiftung „Evangelische Frauen helfen Frauen“ hat in diesem Jahr zum dritten Mal den Förderpreis „Freiraum für Frauen“ für vorbildliche Frauenprojekte ausgeschrieben. Mit dem Freiraum-Förderpreis wollte die Stiftung beispielhafte Projekte und Initiativen auszeichnen und unterstützen, die einen Beitrag zum Abbau der gesellschaftlichen Benachteiligung von Frauen leisten.
In Anlehnung an das Motto des Ev. Kirchentags 2025 „Mutig – stark – beherzt“ suchten wir nach innovativen, mutigen und ermutigenden, mit Herzblut initiierten Projekten insbesondere gegen Einsamkeit sowie aus dem Bereich der Gewaltprävention.
Für den Förderpreis stellte die Stiftung eine Summe von 5.000 Euro zur Verfügung.
Teilnahmeberechtigt waren evangelische und diakonische Träger von Einrichtungen sowie Initiativen und Gruppen aus dem Raum der Ev.-Luth. Kirche in Oldenburg.
Die Jury bestand aus Dr. Sarah Maria Büsing, Diakonie im Oldenburger Land, Anne Janssen, Bundestagsabgeordnete Jever, Hanna Naber, Landtagsabgeordnete Oldenburg, Dr. Andrea Schrimm-Heins, Vorsitzende der Stiftung „Ev. Frauen helfen Frauen“ und Renate Vossler, stellvertretende Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Oldenburg.
Die Jury hatte die Qual der Wahl, da sich mehrere beeindruckende Frauenprojekte um den Förderpreis beworben hatten.
Der Preis wurde auf drei Projekte aufgeteilt.
Die ausgezeichneten Projekte:
Mutig
Renate Vossler stellte die ersten Preisträger*innen vor. Der Queerfeministische Chor Oldenburg ist ein Safe_r Space, in dem Frauen* ihre Stimmen austesten und sich gemeinsam stärken können. Der Chor stellt in vielerlei Weise einen Freiraum dar: einen Freiraum vom Stummsein, vom nicht Gehörtwerden, vom Alleinsein.
Der Chor ist aus einem Aktionschor entstanden, der anlässlich des Internationalen Tages gegen Gewalt an Frauen (25.11.2024) Lieder eingeübt und diese in der Oldenburger Innenstadt als Flashmob aufgeführt hat. Die Teilnehmenden wollten damit auch die Präsenz und Stimmen von FLINTA*-Personen zu Gehör bringen.
Da einige Mitglieder so angetan waren von dem gemeinsamen empowernden Singen und davon, die Kraft der eigenen Stimme zu spüren und ihr Gehör zu verschaffen, kreierten sie aus dem Aktionschor einen sich regelmäßig treffenden Chor. Gerade auch trans* oder queere Personen freuen sich über den Raum, in dem sie sich nicht verstellen müssen, sondern einfach akzeptiert werden, wie sie sind.
Stark
Anne Janssen hielt die Laudatio für „Starke Tage – ein Wochenende für dich“. Das ist ein besonderes Angebot für alleinerziehende Frauen mit Kinderbetreuung. Das von Beate Schulte und Nicole Dylewski verantwortete Kooperationsprojekt des kirchlichen Diensts in der Arbeitswelt und der Evangelischen Frauenarbeit Oldenburg richtet sich gezielt an alleinerziehende Frauen, eine Gruppe, die in besonderem Maße gesellschaftlichen Herausforderungen ausgesetzt ist. Oft fehlt ihnen Zeit und Raum für sich selbst, da familiäre und berufliche Verpflichtungen kaum Freiraum lassen. Gleichzeitig sind sie überdurchschnittlich von Altersarmut bedroht, nicht zuletzt durch häufige Teilzeitarbeit, unterbrochene Erwerbsbiografien und eine eingeschränkte finanzielle Absicherung.
Das Projekt „Starke Tage“ soll alleinerziehenden Frauen einen geschützten Raum eröffnen, in dem sie ihre aktuelle Lebenssituation reflektieren, neue Perspektiven entwickeln und Impulse für eine selbstbestimmte Zukunft erhalten können. Im Mittelpunkt steht dabei das Thema Altersvorsorge, ergänzt durch inhaltliche Beiträge und praxisorientierte Workshops. Ziel ist es, Wissen zu vermitteln, das stärkt, Handlungsmöglichkeiten aufzuzeigen und Selbstvertrauen zu fördern.
Beherzt
Hanna Naber ehrte das Projekt „Ländercafé in Apen“. Seit April 2023 ist das Ländercafé ein offener Begegnungsort im ländlichen Ammerland. Unter der Trägerschaft des Diakonischen Werkes Ammerland wurde es von der Ehrenamtlichen Mira Duhm initiiert. Das Ländercafé ist mehr als ein Treffpunkt: Es ist ein lebendiger Ort voller Kreativität, Herzlichkeit und Mitgestaltung. Es wird gemeinsam getanzt, gesungen und gebastelt. Auch lnformations-Veranstaltungen (z. B. mit der Polizei oder Beratungsstellen) gehören zum Programm. Das Café schafft einen Raum für interkulturellen Austausch, Teilhabe und gemeinsames Tun auf Augenhöhe, unabhängig von Herkunft, Religion oder Status.
Der zweimal jährlich stattfindende „Frauenabend“ ist für viele Besucherinnen ein Highlight. Die Frauenabende bieten einen geschützten Raum, einen Freiraum für Frauen. Hier können sich alle ausdrücken, verbinden und stärken. Frei von Druck, frei von männlichen Blicken und frei von gesellschaftlichen Einschränkungen. Hier können die Frauen ganz sie selbst sein – mutig, stark, beherzt.
Würdevoller Rahmen für die Preisverleihung
Die Preisverleihung fand in der Woche des Internationalen Tages „Nein zur Gewalt an Frauen“ am 28. November 2025 im Kulturzentrum PFL in Oldenburg statt.
Begleitet wurde die Veranstaltung musikalisch von einem hochkarätigen Musikduo: Agnes Izdebska-Goraj, Geigerin am Staatstheater Oldenburg, und der vielfach international ausgezeichnete Gitarrist Mateusz Goraj begeisterten das Publikum mit ihrer eindrücklichen Musik .
Auch der Queerfeministische Chor präsentierte ein empowerndes Lied und lud bei einem zweiten Lied alle ein mitzusingen.
Ganz besonders bereicherte auch Theresa Sperling aus Nordhorn, amtierende Poetry-Slam-Europameisterin, das Programm mit drei Poetry-Beiträgen. In ihrem ersten Text ging es um häusliche Gewalt. Der zweite Beitrag hatte den Titel „Was ich meinen Töchtern nie sagen würde“ (zum Nachhören im Internet zu finden). Zum Schluss präsentierte sie einen ganz neuen Slam-Text „Judging my body?“, in dem es um ein positives Verhältnis zum Alter und zum eigenen Körper geht.
Ein rundum schöner und berührender Abend, der wunderbar vor Augen geführt hat, wie bunt und vielfältig Frauenwelten sind und wie viele kraftvolle, mutige und mutmachende Initiativen es im Oldenburger Land gibt.



